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Die Sprache

Die Sprache

Die Sprache
Chinesisch ist von der Sprecherzahl her die meist gebrauchte Sprache der Welt. Sie ist eine Untergruppe der sino-tibetischen Sprachfamilie. Die Sprache kommt in 2 Formen vor: Umgangssprache und klassische Sprache. Hauptbestandteil des stets einsilbigen Wortes, das einem Schriftzeichen zugeordnet wird, ist ein Vokal, dem ein Konsonant vorausgehen und ein Nasal folgen kann. Für die Identität des Wortes spielt der Tonfall eine wichtige Rolle. Die Umgangssprache des Chinesischen gliedert sich in mehrere, voneinander zum Teil stark abweichende Dialekte. Die am meisten verbreitete Variante ist das Mandarin (Hanyu,Sprache der Han), welches die Muttersprache von ca. 900 Millionen Menschen ist. Weitere wichtige chinesische Sprachen sind Gan (20 Mio Sprecher), Hakka (25 Mio), Jinyu (45 Mio), Min Bei (10 Mio), Min Nan (40 Mio), Wu (80 Mio), Xiang (35 Mio), Yue (50 Mio).
Die einzelnen Dialekte sind so unterschiedlich, daß eine mündliche Kommunikation zwischen Sprechern des Mandarin und einem des Kantonesischen beispielsweise sehr schwierig bis unmöglich ist. Die Kommunikation wird jedoch über die chinesische Schrift ermöglicht, welche von allen chinesischen Sprachvarietäten benutzt wird und aufgrund ihres ideographischen Charakters ausspracheunabhängig ist. Mandarin ist der zur nördlichen Gruppe zählende Dialekt von Beijing. Die Beamtensprache bzw. Hochchinesisch basiert auf Mandarin. Zur Zeit bemüht man sich in China, sich mittels des Hochchinesischen als Einheitssprache, so genannte Reichssprache oder Nationalsprache, auf dem ganzen Lande zu verständigen. Die seit 500 v. Chr. unveränderte klassische Sprache wird nur noch an den Universitäten gepflegt. 
 
Chinesische Aussprache:
Chinesisch ist eine isolierende Sprache, das heißt, die einzelnen Worte stehen als isolierte Einheiten nebeneinander und werden nicht verändert. Grammatikalische Merkmale wie Anzahl, Fall oder Zeit werden durch hinzugefügte kennzeichnende Silben ausgedrückt, wo es nötig ist. Im Gegensatz zu der deutschen Sprache kennt Chinesisch keine Buchstaben. Statt dessen gibt es nur einzelne Schriftzeichen für die Worte. Zwischen der Aussprache und Bedeutung einerseits und der Schreibweise andererseits bestehen keine festen Regeln. Es kommt oft vor, daß ein Schriftzeichen auf mehrere Weisen ausgesprochen wird und eine Reihe von verschiedenen Bedeutungen enthält. Die moderne chinesische Sprache (Hochchinesisch oder Putonghua) umfaßt ungefähr 420 verschiedene Silben. Abgesehen von einigen Ausnahmen hat jede Silbe 4 Töne, d. h. 4 verschiedene Sprechweisen. Akustisch hat Chinesisch also höchstens nur 420 x 4 = 1680 Silben, wobei jede Silbe eine Reihe von Schriftzeichen repräsentieren kann. Bei einem Gespräch wird jede ausgesprochene Silbe vom Hörer identifiziert und einem einzigen Schriftzeichen mit der vom Sprecher gemeinten Bedeutung zugeordnet. Zu den 4 Tönen siehe weiter unten. 
 
Chinesische Schriftzeichen:
Die chinesische Schrift hat ihren Ursprung vor über 3000 Jahren. Die ältesten Schriftzeichen waren in Knochen eingeritzte Bildzeichen aus der Zeit ca. 1400 v.Chr.. Sie wurden 1899 gefunden. Es wird davon ausgegangen, daß zum damaligen Zeitpunkt bereits 5000 verschiedene Zeichen existierten. Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausend entwickelte sich die Bilderschrift zu einer voll verkehrsfähigen Schrift, die in der Lage war Syntax und Semantik einiger der damaligen Sprachen im Raum der heutigen Volksrepublik China vollständig abzubilden. Mit der chinesischen Reichseinigung unter dem ersten Kaiser Qin Shi Huang Di ca. 200 v.Chr. fand eine große Schriftvereinheitlichung statt.
Die Schriftzeichen wurden im Rahmen des Kulturtransfers, der Eroberung und der Missionierung durch den Buddhismus in den Länder Japan, Korea und Vietnam übernommen. Dort wurden sie zum Teil durch Silbenschriften erweitert (Hiragana und Katakana in Japan), parallel zu Silbenschriften verwendet in (Korea) oder, wie in Vietnam, nach dem Ende der Kolonialherrschaft abgeschafft.
Die Verwendung einheitlicher Schriftzeichen im gesamten Einzugsbereich des chinesischen Kaiserreichs im Zusammenspiel mit dem seit der Reichseinigung 200 v.Chr. Beamtenstaates führte dazu, daß die chinesische Schriftsprache eine die verschiedenen chinesischen Sprachgemeinschaften verbindende Lingua Franca wurde.
Im Vergleich zu der Gesamtzahl der Silben ist die Gesamtzahl der chinesischen Schriftzeichen sehr groß. Ein Grundschüler hat ca. 4.000 Schriftzeichen zu lernen. Dabei muß das Schulkind wissen, wie die Schriftzeichen geschrieben werden, welche verschiedene Bedeutungen sie unter bestimmten Umständen haben, und wie sie dem Kontext entsprechend ausgesprochen werden sollen. Die chinesischen Schriftzeichen sind keine Lautschriften, sondern komplexe graphische Darstellung der Inhalte. Am Anfang waren diese Schriftzeichen nur vereinfachte Abbildungen von Gegenständen. Solche Schriftzeichen sind Piktogramme. Ideogramme sind Piktogramme, die für Darstellungen von abstrakten Begriffen verwendet sind. Die für Darstellung der gleichlautenden Sprachtonsilben verwendeten Piktogramme heißen auch Phonogramme. Die meisten chinesischen Schriftzeichen sind Kombinationen der obengenannten Zeichen (Phonideogramme). Phonideogramme bestehen aus einem Grundelement (Radikal), das die auszudrückende Bedeutung einem von 214 Bedeutungsfeldern (wie Metall, Holz, Wasser, Feuer, Erde) zuordnet, und einem phonetischen Bestandteil, der die Aussprache festlegt. Die chinesischen Schriftzeichen sind sehr zahlreich. "Das Kangxi - Wörterbuch" aus dem Jahr 1716 behandelt 47.035 Schriftzeichen. "Das Große Wörterbuch der Chinesischen Sprache", das in dem Zeitraum zwischen 1986 und 1990 in 8 Bänden erschien, umfaßt mehr als 56.000 Schriftzeichen. Aber im Alltag kann man mit 6.000 Schriftzeichen schon relativ gut zurechtkommen.
Im Jahre 1955 fand in der Volksrepublik China eine Schriftreform statt, im Verlauf derer eine Vereinfachung der meisten der häufig gebrauchten Schriftzeichen vorgenommen wurde. Die traditionellen Langzeichen werden jedoch heutzutage vielfach parallel verwendet und kehren seit den Lockerungen in der Volksrepublik immer mehr in den Alltag zurück. In Taiwan und Hongkong wurde die Tradition des Schreibens mit Klangzeichen bis heute nicht unterbrochen. 
 
Traditionelles Chinesisch, Vereinfachtes Chinesisch:
Während man in Taiwan und Hongkong heute noch traditionelle Schriftzeichen (Traditionelles Chinesisch, Langzeichen bzw. Traditional Chinese) benutzt, verwendet man in der Volksrepublik China vorwiegend die vereinfachten Schriftzeichen (Vereinfachtes Chinesisch, Kurzzeichen, auch als Simplified Chinese bekannt). Wie groß der Unterschied zwischen den beiden Schriftzeichen ist, zeigen wir Ihnen mittels eines Gedichts von Su Shi.
 
Schreibrichtungen des Chinesischen:
Traditionell wird das Chinesische von oben nach unten in der Spalte geschrieben. Dabei werden die Spalten von rechts nach links geordnet. Diese traditionelle Schreibrichtung wurde vor allem von dem uralten Schreibmaterial Bambustäfelchen bestimmt: Die längliche Schreibfläche der Täfelchen hatte die Schreiber gezwungen, von oben nach unten zu schreiben. Wenn das erste Täfelchen mit einem Pinsel beschrieben wurde, wurde es zum Trocknen beiseite abgelegt. Mit der linken Hand nahm man dann ein weiteres leeres Täfelchen. Das zweite Bambustäfelchen wurde dann anschließend weiter als das erste abgelegt, also links von dem ersten. Die heutige moderne Schreibrichtung des Chinesischen ist wie die des Deutschen von links nach rechts. Die Zeilen sind von oben nach unten angeordnet.
 
Geschichte der chinesischen Schriftzeichen:
Die chinesischen Schriftzeichen waren schon in der Mitte des 2. Jh. v. Chr. voll ausgebildet. Seit der Qing - Dynastie waren sie standardisiert. Im 3./4. Jh. n. Chr. wurde die bis heute gültige Schrift eingeführt. In der VR China schreibt man die Schriftzeichen von links nach rechts in horizontalen Zeilen, altmodisch auch von oben nach unten und von rechts nach links in "Spalten". In 1892 und 1926 gab es Versuche, die Wortschrift durch eine Lautschrift zu ersetzen. Aber diese Versuche konnten sich nicht durchsetzen. Im Vergleich zu den vorherigen Versuchen ist die letzte Reform in der VR China gut gelungen: Diese Reform sah zwar von der unmittelbaren Einführung einer Lautschrift ab, vereinfachte aber die Schriftzeichen und schrieb die Umgangssprache von Beijing für ganz China vor. Aber nicht alle Chinesen sind über diese Reform glücklich, weil manche Schriftzeichen so stark vereinfacht sind, daß man sie nicht wiederkennt. In 1957 genehmigte der chinesische Staatsrat den Entwurf zur Latinisierung der chinesischen Schriftzeichen, genannt Pinyin. Pinyin besteht aus 20 Mitlautsymbolen und 6 Selbstlautsymbolen des lateinischen Alphabets. In der VR China gilt Pinyin als offizielle Transkription der chinesischen Sprache. Auch im Ausland wird Pinyin zunehmend als allgemein verbindliche Umschrift des Chinesichen. Bei einem chinesischen Reisepaß wird z. B. der Name des Inhabers auch in Pinyin angegeben.
 
Die 4 Töne:
Wer in China nach einem guten Essen die Rechnung bestellen will, wird mit den beiden Worten mai dan auf sich aufmerksam machen. Werden diese Worte aber nicht in den richtigen Tönen gesprochen, so kann es durchaus passieren, daß man statt dessen kund tut, man hätte Eier zu verkaufen, was ebenfalls mai dan heißt.
Diese beiden Ausdrücke unterscheiden sich wie sehr viele andere gleichlautende Wörter oder Verbindungen nur durch die Tonhöhe, in denen man sie spricht. Um nun die Rechnung zu bekommen, muß mai im 3. Ton und dan im 1. Ton gesprochen werden. Die Eierverkäufer brauchen zweimal den 4. Ton.
 
Der erste Ton hat eine sehr hohe Tonlage und einen gleichbleibenden Tonverlauf, wie z.B. in einem feierlichen "Amen".
Der zweite Ton steigt von der mittleren Tonlage aus an. Man spricht ihn wie eine Frage, z.B. "was?", "wer?"
Der dritte Ton ist der tiefste Ton. Er wird so gesprochen wie z.B. das "na" in "nanu" oder "na und".
Dabei ist allerdings zu beachten, daß bei 2 aufeinander folgenden Silben im dritten Ton die 1. Silbe im zweiten Ton und erst die 2. Silbe im dritten Ton gesprochen wird.
Steht die Silbe im dritten Ton alleine oder am Satzende, wird sie tief und dann noch etwas ansteigend gesprochen.
Der vierte Ton ist ein kurzer, fallender Ton wie bei einem Befehl: "Raus!"
Oder noch ein Beispiel aus dem Peking-Dialekt: ma bedeutet im ersten Ton "Mutter", im zweiten Ton "Hanf", im dritten Ton "Pferd" und im vierten Ton "schelten".
 
Es ist immer die Rede von den 4 Tönen, das Hochchinesische besitzt aber im Grunde genommen 5 Töne. Zu den 4 bereits vorgestellten kommt noch der sogenannte schwache Ton. Nur wenige Schriftzeichen besitzen ihn.. Häufiger kommt es vor, daß bei den aus zwei Silben bestehenden Wörtern die zweite Silbe den schwachen Ton annimmt und ihren eigentlichen Ton verliert. Im kantonesischen Dialekt steigt die Anzahl der Töne sogar auf neun.
 
Wie gut man sich auch vorbereitet, die Töne richtig zu treffen, es kann dennoch wieder in Mißverständnissen enden, wenn es mehrere gleichlautende und gleichtönende Worte gibt. Der bei uns geläufige Begriff Mahjong für das beliebte chinesische Spiel z.B. wird in der Hochsprache májiŕrrng ausgesprochen. Doch wenn man in einem chinesischen Kaufhaus danach fragt, kann es durchaus sein, daß man in die Lebensmittelabteilung geschickt wird. Denn májiŕrrng heißt auch Sesampaste. Um sich aus diesem Schlamassel zu befreien, fügt ein Chinese einfach noch das Wort pŕrri für Spiel ein und verlangt nach májiŕrrngpŕrri . Und das funktioniert!
Daß auch Chinesen Probleme mit der Verständigung haben, kann man daran sehen, daß sie sich bei Unklarheiten unsichtbare Schriftzeichen mit dem Finger in die Handfläche malen. Besonders für Angehörige verschiedener Dialekte ist diese Methode sehr hilfreich und zeigt einmal mehr, wie verbindend die chinesische Schriftsprache ist.
 
Wer nun nach dieser kurzen Anleitung versucht, sich in der chinesischen Sprache zu betätigen, beachte ein chinesisches Sprichwort: "Ich fürchte nicht den Himmel und nicht die Erde. Ich fürchte nur Ausländer, die Chinesisch Sprechen"